Schimmelpilzbefall an Schrift- und Bibliotheksgut*

– Informationen, Hinweise und Empfehlungen –

Zu Schimmelpilzbefall kommt es, wenn Dokumente feucht gelagert werden oder auf anderen Wegen Feuchtigkeit bzw. Nässe ausgesetzt werden (z.B. bei Havarien). Materialien wie Papier, Pergament und die im Papier sowie in den Einbandmaterialien enthaltenen Klebstoffe sind für viele Schimmelpilze nahezu ideale Träger und Nährstoffe. Die Akten, Handschriften, Bücher oder Einzelblätter, Karten, Zeichnungen, Graphiken usw. müssen nicht unbedingt direkter Nässe ausgesetzt sein, es genügen hohe Luftfeuchtigkeit, die mitunter innerhalb eines Magazinraumes nur partiell, z.B. in der Nähe von feuchtem Mauerwerk besteht, und ungenügende Durchlüftung.

Papier ist hygroskopisch, d.h. es zieht bei hoher Luftfeuchtigkeit das in der Luft enthaltene Wasser an und bildet dann den Nährboden für Schimmelpilze. Schimmelpilzsporen befinden sich überall ständig in der Luft und siedeln sich sofort an, wenn die Bedingungen günstig sind. Mit dem Wachstum der Schimmelpilze wird das Papier langsam, aber sicher zerstört, weil sich die Schimmelpilze von bestimmten Bestandteilen des Papiers ernähren und sie chemisch umwandeln.

Verbessern sich die Lagerungsbedingungen, ist die Entwicklung des Schimmelpilzes gehemmt. Er hinterlässt aber außer dem beschädigten bzw. zerstörten Papier seine Sporen. Diese Sporen weisen folgende Eigenschaften auf:

Zu den wenigen erfolgversprechenden Behandlungsmethoden für große Mengen schimmelbefallener Materialien gehören die Begasung mit Ethylenoxyd und die Bestrahlung mit Gammastrahlen. Beide Sterilisierungsmethoden können bis zu ca. 99% aller Schimmelpilzsporen abtöten.

Nach anschließender trockener Reinigung unter der Reinluftwerkbank sowie bei sachgerechter Lagerung kann auf Grund der nunmehr sehr geringen Konzentration sowohl eine Aktivierung der verbleibenden Sporen als auch eine gesundheitliche Gefährdung weitestgehend ausgeschlossen werden. Natürlich bietet die Sterilisierung keinen Schutz vor erneutem Befall bei ungünstiger Lagerung oder durch Verschleppung.

Sowohl die Begasung wie auch die Bestrahlung haben Vor- und Nachteile, ihre Wirkprinzipien und Nebenwirkungen sind nicht abschließend erforscht. Nach dem aktuellen Erkenntnisstand bewirkt die Bestrahlung, dass die Papierfaser geschädigt wird, so dass das Papier mittel- bis langfristig schneller altert. Die Begasung wiederum ist nicht für die Behandlung von Aquarellen und verschiedenen anderen Grafiken geeignet, weil sich die Farben verändern können.

Deshalb muss von Fall zu Fall eine konkrete Empfehlung gegeben werden. Für die Sterilisierung von dauernd aufzubewahrenden Archivgut und Bibliotheksgut ist die Begasung vorzuziehen.

Die Begasung erfolgt im Vakuum mit Ethylenoxyd und ist für die Objekte vollkommen ungefährlich. Speziell für die Anwendung bei Archivdokumenten wird bei einer Temperatur von max. 35°C gearbeitet, damit wärmeempfindliche Materialien (z.B. Siegel) nicht beschädigt werden. Das Gas wird nach Abschluss der eigentlichen Sterilisation durch eine mehrwöchige Desorption restlos und vollkommen sicher aus den Objekten entfernt. Auf Wunsch kann durch ein unabhängiges Labor ein Gutachten über den Restgasgehalt erstellt werden. Nach der Behandlung sind keinerlei Vorsichtsmaßnahmen wegen evtl. verbliebenen Restgases notwendig.

Natürlich ist auch die Sterilisierung mit Gammastrahlen möglich, wenn dies gewünscht wird. Handelt es sich um befristet aufzubewahrendes Schriftgut, können die Schädigung der Papierfaser und die dadurch beschleunigte Alterung des Papiers von vornherein vernachlässigt werden.

Der Erfolg der Sterilisierung kann auf Wunsch durch ein unabhängiges Labor bestätigt werden.

Im Ergebnis der Sterilisierung sind die Schimmelpilzsporen abgetötet. Diese toten Schimmelpilzsporen können aber immer noch allergen wirken bzw. sind teilweise sogar hochtoxisch. Deshalb gehört zur Behandlung von Schimmelpilzbefall unbedingt die abschließende Reinigung unter der Reinluftwerkbank (d.i. eine Vorrichtung, in der der abgekehrte Staub sofort abgesaugt und durch mehrere Filterschichten geleitet wird).

Die gesamte Behandlung dauert je nach Menge und nach dem gewählten Sterilisierungsverfahren 6 bis 12 Wochen. Hinzu kommt noch der Zeitraum für An- und Abtransport.

Zur Vorbereitung ist es notwendig, die Dokumente lose in Transportkartons einzustapeln. In diesen Behältern werden sie sowohl transportiert als auch sterilisiert.

Zusammenfassend ist hervorzuheben, dass die mit dem Schimmelpilzbefall verbundenen Probleme (Gefahr für die Gesundheit, Verschleppungsgefahr) so gravierend sind, dass die Bekämpfung unbedingten Vorrang vor allen anderen konservatorischen bzw. restauratorischen Maßnahmen haben muss. Nur Sofortmaßnahmen bei Wasserschäden stehen in der Dringlichkeit noch darüber.

Die dargestellten Schäden und Nebenwirkungen durch Schimmel an Archiv-, Schrift- und Bibliotheksgut sind vielfältig und erfordern eine sachgerechte, auf den jeweiligen konkreten Fall abgestimmte Behandlung durch den Fachbetrieb.

Es gibt Firmen, die eine Sterilisierung anbieten, weil sie auf benachbarten Gebieten arbeiten und meinen, das auch zu können. Wer aber normalerweise Ungeziefer bekämpft oder technische Geräte sterilisiert, um nur einige Beispiele aus der Praxis zu nennen, wird kaum die Fachkompetenz besitzen, um die komplexen Probleme von geschädigtem Archiv- und Bibliotheksgut zu erfassen und seine Maßnahmen entsprechend einzurichten.

Bitte beherzigen deshalb Sie unseren Rat:

Nehmen Sie im Interesse des Ihnen anvertrauten Kulturgutes und zur Erhaltung Ihrer wichtigen Informationen unsere Beratung in Anspruch!

* Merkblatt, hrsg. v. der Firma Schempp® Bestandserhaltung und Schadensanierung und von Dieter Hebig Archivberatung

Weitere Informationen im Internet unter: www.archivberatung.de

Stand: 7/2003